Wie von der Erde verschluckt

Der folgende Hintergrundbericht wurde noch vor Beginn des Shabbats und bevor es den Sicherheitskräften gelang, den Terroristen von Tel Aviv zu finden und zu neutralisieren geschrieben. Um 16:20 wurde Nasset Milhem in seine Heimatstadt Arara entdeckt und erschossen (siehe Bericht).

Eine geschlagene Woche ist es nun her, dass Nasset Milhem, ein israelischer Araber aus dem galiläischen Dorf Ar’ara, auf der Tel Aviver Hauptvergnügungsmeile Dizengoff am hellichten Tag ein kaltblütiges Attentat gegen eine im Café „Simtah“ versammelte Gruppe junger Menschen, die gerade einen Geburtstag feierten, verübte. Zwei Männer mähte er mit einem Maschinengewehr nieder, sieben Menschen verletzte er, einige davon schwer.

Wohl wurde er bei der offenbar akribisch vorbereiteten Flucht von einigen beherzten Zivilisten verfolgt, doch verlor sich seine Spur alsbald. Als gesichert gilt einzig, dass der Attentäter ein Taxi bestieg, sich in die Nähe des nahegelegenen Hotels Mandarin am Mittelmeerstrand fahren liess, und hernach den Taxifahrer, einen israelischen Araber und Vater von elf Kindern, erschoss. Seither verloren sich seine Spuren vollends.

Spekulationen schossen üppig ins Kraut: er sei mit einem Wasserfahrzeug geflohen, habe sich in die Palästinensergebiete abgesetzt, harre in einer leerstehenden Wohnung aus. Sein mittlerweile wegen Beeinträchtigung der Untersuchung ebenfalls verhafteter Vater, ein Freiwilliger seit 30 Jahren bei der israelischen Polizei, hatte seinen Sohn dank Videomaterial vom Tatort erkannt. Er meldete ihn bei der Polizei und forderte ihn auf, sich zu ergeben. Gleichzeitig warnte er vor einem weiteren Attentat durch ihn. Das Gewehr übrigens hatte der Terrorist zuvor von seinem Vater entwendet.

Nun stehen einige Sicherheitsinstanzen in Israel, zuvorderst die Polizei mit ihrem neuen Chef Ronny Alsheikh sowie der Inlandgeheimdienst „Schabaq“ wie begossene Pudel da. Noch im vergangenen November hatte man in einer Aufwallung von Unbescheidenheit sich damit gebrüstet, in Israel wüsste man seit der Staatsgründung, wie mit dem Terror umzugehen, anders als im gebeutelten Paris. Diese Aussage besticht im Grossen und Ganzen durch ihren Wahrheitsgehalt, doch im jüngsten Fall, der die Gemüter der Zivilbevölkerung höchst aufwühlte, eben nicht. Tagelang getrauten sich Schüler nicht, in die Schulen zu gehen, Eltern scheuten sich, ihre Kinder in die Kindergärten zu bringen. Es fehlt allerorten an Sicherheitspersonal, das relative Freiheitsgefühl der Tel Aviver hatte ordentlich gelitten.

Auch Premierminister Netanyahu kommt sich vorgeführt vor. Vor anderthalb Wochen verkündete er mit Pauken und Trompeten ein mehrere Milliarden Schekel umfassendes Hilfspaket für den arabischen Sektor. Nun krebste er aufgrund der akuten Situation formaljuristisch zurück. Man müsse zunächst mit der organisierten Kriminalität aufräumen und die arabischen Israeli dazu zwingen, Gesetze, z.B. im Bauwesen, genau so penibel zu achten wie die jüdischen Israeli. Es ist bekannt, dass bei den arabischen Bevölkerungskonzentrationen im Galiläa sowie den Beduinen im Landessüden illegale Waffenberge sich türmen. Diese jahrzehntelang vernachlässigten Probleme aufzuräumen dürfte noch schwieriger sein, als den Terroristen vom Neujahrstag in Tel Aviv aufzuspüren.

Ronaldo Goldberger für „Israel Direkt“


Kategorien:Audio Podcast, Hintergrund

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