Flaggenmarsch am Jerusalem-Tag als Test für den Waffenstillstand

Bild: Eitan Elhadez-Barak/TPS

(Baruch Yedid/TPS) – Der bevorstehende Flaggenmarsch zum Jerusalem-Tag in der Jerusalemer Altstadt wird zu einem wichtigen Test für das kürzlich ausgehandelte Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Terrorgruppe des Islamischen Jihad.

Die libanesische Zeitung Al-Akhbar, die vor allem durch ihre Hamas-Quellen bekannt ist, berichtete in einem Artikel, dass die Flaggenparade am Donnerstag zwar nicht ausdrücklich im Waffenstillstandsabkommen vom Samstagabend erwähnt wurde, die Terrorgruppen im Gazastreifen aber versprechen, sich jeder so genannten “israelischen Aggression” gegen die Al-Aqsa-Moschee oder einer Verletzung des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas, der im Mai 2021 nach dem Konflikt in diesem Monat vereinbart wurde, zu widersetzen.

Die Auseinandersetzungen vom Mai 2021 begannen genau zu dem Zeitpunkt, als die Flaggenparade beginnen sollte, und wurden durch zwei von der Hamas auf Jerusalem abgefeuerte Raketen markiert.

Vor zwei Jahren gab es während des Flaggenmarsches Raketenalarm

Der Flaggenmarsch ist ein jährlicher Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Jerusalem-Tag, mit dem der Jahrestag der Wiedervereinigung der israelischen Hauptstadt im Sechs-Tage-Krieg von 1967 begangen wird. Tausende von Jugendlichen marschieren mit israelischen Flaggen durch die Altstadt von Jerusalem.

Von palästinensischer Seite wird Israel regelmäßig vorgeworfen, den Marsch zur “Judaisierung” der Stadt zu nutzen.

Die Parade passiert das Damaskustor und zieht dann weiter durch die Altstadt bis zur Klagemauer. Der angrenzende Tempelberg wird dabei nicht betreten.

Berichten zufolge warnte Israel die Hamas, dass man auf jeden Raketenbeschuss während des Jerusalem-Tags mit aller Härte reagieren würde.

Örtliche Zusammenstöße oder ein neuer Gaza-Krieg?

Vor dem Jerusalem-Tag 2021 stimmte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu, die Route zu ändern, damit die Teilnehmer nicht durch das muslimische Viertel der Altstadt marschieren, dennoch feuerte die Hamas Raketen ab und löste eine 11-tägige Militäroperation in Gaza aus. Während dieser Zeit feuerte die Hamas und der Islamische Jihad 4.400 Raketen ab und töteten 13 Menschen in Israel.

Der Konflikt griff auf eine Reihe gemischt jüdisch-arabischer Städte wie Ramla, Lod, Akko und Tiberias über, als Araber Juden angriffen.

Quellen aus dem Gazastreifen erklärten gegenüber Al-Akhbar, man sei auf eine weitere Konfrontation vorbereitet und stehe in Kontakt mit Vermittlern. Diese Erklärungen folgten auf Gespräche in Kairo, an denen auch der Islamische Jihad beteiligt war. Der Widerstand verpflichtete sich, Israels Aktionen in der Umgebung der Moscheen zu überwachen und jede Überschreitung der “roten Linien” zu verhindern.

Obwohl allgemein angenommen wird, dass die Flaggenparade zu gewalttätigen Zwischenfällen führen könnte, wird nicht erwartet, dass sie einen neuen, vom Gazastreifen ausgehenden Konflikt entfacht.

Dr. Ahmed Fouad, ein auf israelische Angelegenheiten spezialisierter Akademiker und Mitglied des ägyptischen Rates für auswärtige Angelegenheiten, erklärte gegenüber dem Tazpit Pressedienst: “Der wahre Test für die Stabilität des Waffenstillstandes ist der Flaggenmarsch, der voraussichtlich zu Zusammenstößen führen wird, sollte er durch das muslimische Viertel ziehen.”

Hinsichtlich eines möglichen Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen erklärte eine palästinensische Quelle gegenüber TPS, dass die Hamas den Gazastreifen aus den Kampfhandlungen heraushalten wolle. Die Terrorgruppe würde jedoch eine Reaktion im Osten Jerusalems als legitim ansehen, da sie glaubt, dass dies die Bemühungen der Hamas um die Wiederherstellung des Streifens nicht untergraben würde.

Israelische Regierungsvertreter betonen, dass sich Israel im Rahmen der Waffenruhe mit dem Islamischen Jihad zu keinem Zeitpunkt verpflichtet habe, die Route der Flaggenparade zu ändern. Gleichzeitig behaupten palästinensische Quellen in Gaza, dass Feldoperateure des Islamischen Jihad den Waffenstillstand ablehnten und auf die Fortsetzung des Konflikts bis zur bevorstehenden Flaggenparade drängten.

Diese Quellen behaupten, die Feldoperateure hätten gestern nach der offiziellen Waffenstillstandszeit von 22.00 Uhr Raketen abgefeuert und damit Israel, dem Islamischen Jihad und der Hamas signalisiert, dass “alles offen ist”.

Palästinensische Quellen fügen hinzu, dass Ägypten erhebliche Anstrengungen unternommen habe, um die Konfrontation zwischen Israel und dem Jihad so früh wie möglich zu beenden, um eine Eskalation im Zusammenhang mit der Flaggenparade zu verhindern.

Mehrere palästinensische Kampagnen auf den sozialen Netzwerken rufen nun dazu auf, die Flaggenparade zu vereiteln. Kleriker verbreiten Videos, in denen sie zu Aktionen gegen Juden aufrufen, die in der Jerusalemer Altstadt marschieren, darunter Demonstrationen, Protestkundgebungen und eine Menschenprozession vom Damaskustor zum Tempelberg mit palästinensischen Flaggen.

Sie ermutigen auch zu Konfrontationen mit israelischen Soldaten an möglichen Brennpunkten.

Berichte in Israel über die Absicht des Ministers für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir und des Finanzministers Bezalel Smotrich, an der Parade teilzunehmen, haben in den sozialen Netzwerken für große Aufmerksamkeit gesorgt. Die Palästinenser fordern eine Absage ihres Marsches und drängen auf Maßnahmen zum “Schutz der Moscheen”.



Kategorien:Aktuelles

Schlagwörter:,

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: