Geschreie in unserer Straße und ein politisches Drama

Heute früh wurden die Bewohner unserer Straße von dem Geschrei der Demonstranten gegen den Justizminister Yariv Levin geweckt, die schon vor 7 Uhr mit einem Megaphon vor seinem Haus standen.

Guten Morgen liebe Leser!

Ich begrüße Euch zum „frohen Donnerstag“. Es ist 7 Uhr und ich stehe an der Busstation vor meinem Haus und warte auf den Bus zum Bahnhof. Ich habe heute meinem Sohn das Auto überlassen, er hat heute einige Verabredungen und braucht das Auto mehr. Bei mir würde es ja nur den ganzen Tag vor dem Bahnhof stehen.

Aus der Richtung unseres Nachbarn, dem Justizminister Yariv Levin, höre ich Protestrufe, „Yariv Levin, die Schande von Modiin„…, diesmal sind die Demonstranten besonders früh gekommen, um Yariv Levin noch vor seiner Fahrt nach Jerusalem zu erwischen. „Demokratie, Demokratie, Demokratie„,  sind sie am Schreien, nicht bereit, das Ergebnis der letzten Wahlen zu akzeptieren. Dass hier auch Mitbürger leben, die noch schlafen wollen, scheint ihnen völlig egal zu sein.

Für die Demonstranten gibt es zwei Arten von Menschen in Israel, die Guten und die Dummen. Die Dummen sind für sie diejenigen, die den Likud gewählt haben, sie werden oft als einfach, meist sefaradisch und den unteren Schichten zugehörig bezeichnet. Denn ein intelligenter, vielleicht sogar ashkenasischer Mensch kann doch nicht so eine „düstere“ Partei wie den Likud wählen. Ich habe diese Bezeichnungen nicht erfunden, ich habe sie wirklich gehört. Die Menschen, die sich  jetzt vor dem Haus unseres Nachbarn die Seele aus dem Leib schreien, sind wirklich davon überzeugt, dass sie die Guten sind und etwas Gutes tun, sie sind die Kämpfer der Freiheit, der Demokratie. Die andere Hälfte des Volkes, die etwas anderes gewählt hat, wird ignoriert und als dumm abgetan. Ich mag so etwas nicht.

Ich habe überhaupt nichts gegen Meinungsverschiedenheiten und das Recht zu demonstrieren. Aber man muss dennoch die andere Seite, den anders Denkenden akzeptieren und respektieren.  Ich bin mir auch sicher, dass die Demonstranten um Ihr Land besorgt sind. Aber die aggressive Art ihres Benehmens kann und will ich nicht akzeptieren.

Eigentlich wollte ich den heutigen Tag ganz anders beginnen. Denn gestern hat der Oberste Gerichtshof mit zehn Stimmen gegen eine Stimme entschieden, dass Arie Deri nicht Minister in der neuen Regierung sein kann. Auch wenn diese Entscheidung jetzt als politisches Erdbeben bezeichnet wird, kommt sie nicht überraschend. Eigentlich war es sogar ziemlich klar, dass das passieren würde. Denn Arie Deri wurde im letzten Jahr erneut der Veruntreuung von Geldern und der Korruption für schuldig befunden und war nur einer weiteren Haftstrafe entgangen, da das Gericht bereit war, darauf zu verzichten, wenn er die Knesset und seine Ämter verlässt, was er dann auch getan hat. Doch niemand hatte damals daran gedacht, dass es kurz danach wieder Neuwahlen und eine neue Knesset geben würde, für die das Abkommen ja nicht gültig war. Eigentlich komisch.

Arie Deri ist bei sehr vielen Menschen, auch nicht religiösen, sehr  beliebt. Denn er und seine Partei Shas setzen sich wirklich für die schwachen Schichten der Bevölkerung ein. Leider machte er während sei er langen politischen Karriere auch Fehler. Aber er wird von vielen, darunter auch zahlreiche Knesset Abgeordnete, sehr geschätzt. Er wurde schon im Jahr 1996 in der ersten Regierung unter Netanjahu im Alter von 29 Jahren zum Innenminister ernannt und war damit der  jüngste Minister aller Zeiten in Israel.

Und jetzt wieder etwas in eigener Sache. Israel Direkt entwickelt sich weiter und wird bald viel mehr aktuelle Nachrichten aus Israel veröffentlichen können, ich arbeite daran, diese Seite zu einer deutschsprachigen Informationsquelle über die Ereignisse in Israel zu machen und damit die oft verdrehten Berichte über Israel in den ausländischen Medien entgegenzutreten. Wie ich gestern schon schrieb, ist das natürlich mit Kosten verbunden, die ich alleine tragen muß. Diese Seite ist mir sehr wichtig, daher bestehe ich darauf, sie weiter zu entwickeln, solange ich in de Lage dazu bin. Ihr könnt Euch daran beteiligen, wenn auch Euch etwas daran liegt, weiter durch diese Seite mit Israel verbunden zu sein. Oben rechts befindet sich ein Link zu PayPal, wo man meine Arbeit mit einem kleinen monatlichen Beitrag unterstützen kann. Ich betreibe diese Seite allein neben meiner Arbeit, denn es ist mir wichtig, ehrlich über das Land und die Ereignisse bei uns zu berichten. In den kommenden Tagen hoffe ich, endlich mehr Nachrichten zusammen mit aktuellen Bildern veröffentlichen zu können. Freut Euch zusammen mit mir.

Und jetzt ist es schon wieder an der Zeit, aus dem Zug zu steigen. Ich wünsche Euch einen wunderbaren Donnerstag, freut Euch auf das Wochenende und den Shabbat. Macht es gut. Shalom aus Israel!



Kategorien:Aktuelles, Der Blog

1 Antwort

  1. Es gibt keine Möglichkeit zu kommentieren? Nitza

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