Demos in Tel Aviv und zu Hause

Gestern früh wurde unsere Straße von den Protesten der Demonstranten geweckt, die sich vor dem Haus des Justizministers versammelt hatten. In Tel Aviv demonstrierten gestern 80.000 Menschen.

Guten Morgen liebe Leser!

Ich begrüße Euch zu einer neuen Woche. Das Wochenende ist wieder einmal sehr schnell vorbei gegangen. Den Freitag begann ich schon sehr früh mit einer Cellostunde bei meinem kleinen Schüler. Ich gebe zu, es war nicht leicht, ausgerechnet zu Beginn des Wochenendes zur gleichen Zeit aufzustehen wie an einem normalen Arbeitstag, aber die Belohnung kam sofort nach einigen gemeinsamen Bogenstrichen zusammen mit meinem Schüler. Er war in Bestform, spielte mit Eifer und Begeisterung und vor allem sauber. Glaubt mir, es gibt nichts Schöneres für einen Lehrer, als das Ergebnis der Arbeit zu sehen. Wir spielten gemeinsam kleine Duette von Bach und Leopold Mozart. Ich war beeindruckt, wie schnell der Kleine die Stücke gelernt hatte. Nicht jeder Ton war genau, aber die Begeisterung, die ich in den Augen meines Schülers sah, machten mich glücklich. Zufrieden und mit einem Shabbat Shalom verabschiedete ich mich. Der Freitag hatte großartig begonnen.

Auf meinem Weg nach Hause wurde ich dann wieder an unsere Realität erinnert. Als ich am Haus des Justizministers und unseres Nachbarn Yariv Levin vorbeifuhr, wurde ich von einigen fahnentragenden Menschen empfangen.

Das war nur der Anfang der zum Glück noch nicht so großen Demonstration gegen die Reformpläne des Justizministers. Diese Demo wird es ab jetzt wohl jeden Freitag geben.

Als ich dann zu Hause war, war meine Tochter schon wach. Das hatte sie den Protesten, die mithilfe eines Megaphons in Richtung unseres Nachbarn geschrien wurden, zu verdanken.

Ich habe nichts gegen Demonstrationen, vor allem, wenn sie angemeldet und genehmigt wurden. Das Demonstrieren ist das demokratische Recht jeden Bürgers. Aber ich habe etwas gegen Beleidigungen. Und leider muss ich feststellen, dass die Beleidigungen von der Seite des „Nur-Nicht-Bibi“ Blocks besonders heftig sind. Das sah ich schon damals bei den wöchentlichen Protesten gegen Netanjahu vor seinem Amtssitz in Jerusalem.

So haben wir unser Wochenende begonnen.

Diesmal störte mich der Satz: „Yariv Levin, die Schande von Modiin!“

Gestern Abend fand dann in Tel Aviv auf dem Platz vor dem Habima Theater die große Demonstration gegen die Reformpläne in der Justiz statt. Der Polizei zufolge sollen 80.000 Menschen gekommen sein, trotz des Regens.

Die Demonstranten machen sich Sorgen um die Demokratie in unserem Land. Es geht darum, wie weit sich die Justiz in die Entscheidungen einer demokratisch gewählten Regierung einmischen darf. In der Vergangenheit ist es oft vorgekommen, dass von der Regierung und der Knesset verabschiedeten Gesetzte danach vom Obersten Gerichtshofs wieder zurückgenommen wurden. So könne man nicht regieren, wenn die Justiz das letzte Wort habe. Ich bin kein Jurist, aber so ungefähr verstehe ich das Problem. Natürlich ist es die Aufgabe der Justiz, dafür zu sorgen, dass keine illegalen Gesetzte verabschiedet werden. Dafür gibt es die juristischen Berater der Regierung. Deren Aufgabe ist es eigentlich, die Regierung zu beraten. Doch in den letzten Jahren war der juristische Berater mehr zum Ankläger gegen die Regierung geworden. Zur Zeit des damaligen Beraters Avichai Mandelblit kam es immer wieder zu Spannungen zwischen ihm und der Regierung vor Netanjahu. So soll die Reform wohl auch festlegen, wie der juristische Berater der Regierung zu arbeiten hat.

Es ist in der Tat ein heikles Thema. Denn leider haben wir in der Vergangenheit gesehen, zu was eine demokratisch gewählte Regierung in der Lage ist.

Jetzt wurde angeboten, über die Reform zu reden und sie vielleicht sogar etwas zu verändern, im Dialog mit der Opposition. Die Frage ist, ob die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs überhaupt dazu bereit ist, sie hatte sich am Donnerstag sehr kritisch und energisch gegen die Reform und gegen den Justizminister geäußert. Es kommt nicht häufig vor, dass sich Richter öffentlich politisch äußern.

Und da dieses Thema echt sehr kompliziert ist, jetzt noch ein anderes Thema. Viel Glück hatte gestern ein Bürger der Stadt Hod HaSharon, als er mit seinem Auto unterwegs war. Plötzlich bemerkte er, wie das Sorto begann, in die Straße zu sinken. Ein Loch hatte sich geöffnet, die Vorderräder waren schon im Loch, dass immer größer wurde. Dem Fahrer gelang es, schnell zu reagieren, und das Auto zu verlassen, von dem dann kurze Zeit später nicht mehr viel zu sehen war.

Ein unglaubliches Bild

Schuld an dem Senkloch mitten auf der Straße war ein geplatztes Wasserrohr. So etwas kann, darf aber eigentlich nicht passieren. Das Auto kann kommt jetzt auf den Schrottplatz, der glückliche Fahrer hatte es einmal bei einer Lotterie gewonnen. Wie sagt man? Glück im Unglück.

Und jetzt muss ich schon wieder aus meinem Zug steigen. Ich wünsche Euch und uns eine gute und friedliche Woche. Macht es gut. Shalom aus Israel!



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