Neue Regierung, es geht los

Endlich haben wir eine neue Regierung. Nun muss sie zeigen, was sie drauf hat und vor allem ihren Gegnern beweisen, dass die frühen Kritiken unberechtigt waren.

Guten Morgen liebe Leser!

Ich begrüße Euch zum heutigen Freitag und dem letzten Wochenende des Jahres 2022. Gestern habe ich mir eine Pause erlaubt und nichts weiter auf der Seite gepostet. Schließlich hat man nur einmal im Jahr Geburtstag. Da ich auch noch von zu Hause gearbeitet habe, hatte ich wirklich keine Zeit mehr, etwas hier auf Israel Direkt zu posten. Die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten. Ich bekam eine liebe E-Mail mit einem Geburtstags-Glückwunsch und eine Meldung in unserem Telegram Chat, der an den Telegram Kanal von Israel Direkt gebunden ist. Dort wurde mir nett mitgeteilt, dass „Israel Direkt ganz schön langweilig sei“.

Nun gut, ich habe diese Nachricht eigentlich als Lob aufgefasst. Es freut mich, wenn man meine Beiträge vermisst. Aber ihr müsst wissen, dass ich leider noch kein professionelles Nachrichtenportal über Israel bin. Ich habe viele Pläne, Ideen und Ambitionen, aber ganz alleine und ohne Mittel sind diese eben schwer durchzuführen. Daher bitte ich Euch um Geduld und verspreche Euch, dass Ihr immer mit als erste erfahren werdet, wenn hier in Israel etwas wirklich Wichtiges passiert. Wir sollten zufrieden sein, dass ich es mir leisten kann, etwas weniger zu posten, denn das ist ein Zeichen dafür, dass es uns in Israel eigentlich gar nicht so schlecht ist. Wir sollten es lieben, wenn es in Israel etwas, oder „ganz schön“ langweilig ist, oder?

So, und nun zurück zum Alltag. Seit gestern haben wir endlich wieder eine Regierung. Nachdem die Knesset der neuen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ihr Vertrauen ausgesprochen hatte, wurden die Minister vereidigt. Bei der Abstimmung haben 63 Abgeordnete für und 54 Abgeordnete gegen die neue Regierung gestimmt.

Die neue Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich gestern Abend zum traditionellen Foto im Amtssitz des israelischen Präsidenten versammelt. (Foto: Avi Ohayon/GPO)

Auch haben wir einen neuen Knesset-Vorsitzenden, Amir Ohana. Gestern wurde immer wieder betont, dass er der erste Homosexuelle sei, der dieses Amt belege. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das immer wieder betont wird. Ich denke, es liegt daran, dass die neue Regierung noch vor Ihrer Bildung kritisiert würde, sie würde die Rechte von Homosexuellen beschränken, da es in der Regierungskoalition sehr religiöse Parteien gibt, die glaubensbedingt ein Problem mit der Homosexualität haben. Es wurde aber auch von ihnen immer wieder betont, dass die Rechte homosexueller Paare nicht beschränkt werden würden. Dies bekräftigte auch der neue Knesset-Vorsitzende Amir Ohana in seiner Antrittsrede.

Amir Ohana nach der Wahl zum Vorsitzenden der Knesset

Ja, die religiös-orthodoxen Parteien tun es sich etwas schwer mit dem neuen Knesset-Vorsitzenden. Während seiner Antrittsrede konnten einige religiöse Abgeordnete Ihre Gefühle nicht mehr verstecken.

Obwohl sie für den neuen Knesset-Vorsitzenden gestimmt hatten, konnten sie sich während seiner Rede nicht mehr verstecken und demonstrierten ihr Unbehagen, als Amir Ohana von seiner Familie erzählte. Sie werden sich daran gewöhnen müssen.

Ministerpräsident Netanjahu mit Amir Ohana und seiner Familie.

Und jetzt noch etwas anderes. Natürlich wurde auch im Ausland von der neuen Regierung in Israel berichtet. Es war mir klar, dass sich die Medien dort dem Chor gegen die neue Regierung angeschlossen hatten. Noch nie habe es eine derart rechte Regierung gegeben, hieß es unter anderem. In der Tagesschau wurde der deutsche Korrespondent gefragt, wie es denn nun in Israel weitergehen würde. Scheit Euch diesen Bericht einfach erst einmal an:

Besonders ab 2:55 wurde ich irgendwie sauer. Es geht dort zunächst um Itamar Ben Gvir, der neue Minister für Nationale Sicherheit. Dieser hat nun die Verantwortung für den Grenzschutz. Der Korrespondent meint, dass die Grenzschutz-Polizisten deswegen ab jetzt mehr in Auseinandersetzungen mit den Palästinensern auf dem Tempelberg involviert sein würden. Du meine Güte. Es sind also nur die israelischen Sicherheitskräfte, die für die Gewalt verantwortlich sein sollen? Danach geht es um den neuen Finanzminister Bezalel Smotrich , der auch für die Zivilverwaltung in Judäa und Samaria verantwortlich sein wird. Bei Euch nennt man diese Gegend als „die besetzten Gebiete“ oder „das besetzte Westjordanland“. Ich nenne sie beim Namen, Judäa und Samaria. Der Korrespondent erwähnte dann die Siedlungen, die natürlich illegal seien, und sprach von der sogenannten „Siedlergewalt“ gegen Palästinenser. Und diese Gewalt der Siedler würde jetzt wohl wegen der neuen Regierung noch weiter zunehmen. Es wurde nicht ein Wort über die arabischen Terroranschläge gegen uns erwähnt. Es ging nur um die Gewalt der Siedler. Unglaublich.

Ich sage nicht, dass alle Israelis unschuldig sind, schwarze Schafe gibt es leider überall. Aber man kann deswegen nicht alle „Siedler“, ich nenne sie einfach Menschen oder Bürger, unter einen Kamm scheren.

So, jetzt wird es Zeit, sich auf das Wochenende und den Shabbat vorzubereiten. Unser Jüngster ist gestern nach London geflogen, wir werden den Shabbat also in einem kleineren Kreis verbringen, mit einem Auge nach England. Morgen wird dann unser ältester Sohn aus Tel Aviv kommen, um zusammen mit uns noch einmal den gemeinsamen Geburtstag von meiner Frau und mir zu feiern.

Ich wünsche Euch ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Shabbat und natürlich auch ein frohes neues Jahr 2023!

Shabbat Shalom aus Modiin!



Kategorien:Aktuelles, Der Blog

1 Antwort

  1. Immer wieder freue ich mich über jeden Beitrag, auch die alltäglichen

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