Warten auf die neue Regierung

Guten Morgen liebe Leser!

Nachdem ich gestern von zu Hause aus arbeiten durfte, sitze ich jetzt wieder im Zug nach Tel Aviv. Die Mitte der Woche ist erreicht, ich begrüße Euch zu einem hoffentlich angenehmen Mittwoch.

Erinnert Ihr Euch noch an unsere Wahlen zur Knesset am 1 November? Seitdem scheint eine Ewigkeit vergangen zu sein. Und dennoch warten wir noch immer auf die neue Regierung, die schon seit Wochen kritisiert und beschimpft wird, noch vor ihrer Bildung, sie existiert noch gar nicht.

Aber auch ich habe etwas zu kritisieren. Mir gefällt es ganz und gar nicht, dass wir fast zwei Monate nach den Wahlen, die doch ein recht deutliches Ergebnis erbracht haben, noch immer auf die neue Regierung warten müssen. Dem noch Übergangs – Ministerpräsidenten Yair Lapid mag es recht sein, er gewinnt noch ein paar Tage im Amt, auf das er jahrelang gewartet hatte. Noch ein paar Tage mehr in der Balfour Straße, dem Sitze des Ministerpräsidenten, warum auch nicht.

Aber ehrlich, ich bin etwas enttäuscht von den Koalitionspartnern der kleinen Parteien. Ja, es sind die kleinen Parteien, die für die ganzen Verzögerungen verantwortlich sind. Sie wissen, dass es ohne sie keine Regierung geben wird, und das wird eiskalt ausgenutzt. Netanjanhu wurde in den Schwitzkasten gesteckt, bis er auf die Forderungen der kleinen Partner einging.

Um Mitternacht endet die Verlängerung des Mandats, bis dann muss Netanjahu den Staatspräsidenten Herzog mitteilen, dass es ihm gelungen ist, eine Regierung zu bilden. Und das wird wohl auch heute geschehen, niemand rechnet damit, dass der Block um Netanjahu die Chance, zu regieren, verpasst, auch wenn bis zum Ende gepokert wurde.

Was damals, nach den Wahlen im April 2019, mit Lieberman passierte, hatte andere Gründe. Es wird diesmal lockt so weit kommen, dass Netanjahu im letzter Sekunde sein Mandat verliert. Dennoch denke ich, haben die kleinen Koalitionspartner mit ihrem Druck auf Netanjahu übertrieben. In den Augen der Wähler sieht das nicht gut aus. Mich bringt es dazu, bei den nächsten Wahlen , die es irgendwann ja geben wird, auf keinen Fall eine kleine Partei wählen werde. Wir müssen die Zahl der Parteien in der Knesset verringern, die Prozenthürde sollte deutlich angehoben werden, ansonsten werden wir jedes Mal dieses Theater haben. Und dafür haben wir keine Zeit, es gibt zu viele Probleme zu bewältigen.

Auch innerhalb des Likuds gibt es Spannungen. Nicht jeder Anwärter auf einen Ministerposten wird am Ende einen bekommen. Denn es wurden ja schon zu viele Posten an die kleinen Partner abgegeben. Daher denke ich, dass die neue Regierung wohl erste im Jahr 2023 vereidigt werden wird. Wann waren die Wahlen nochmal?

Und jetzt noch etwas in eigener Sache. Gestern las ich unter einem meiner Post auf Facebook, dass ich langweilig geworden wäre. Nun gut, was soll ich dazu sagen? Mein Leben hat sich seit meinem Abschied von meinem früheren Arbeitgeber völlig verändert. Die tägliche Fahrt im Zug ist nur ein kleiner Teil davon. Ich bin dankbar, noch einmal eine Gelegenheit bekommen zu haben, ein völlig neues Leben kennenzulernen.

Und dann hatte ich mich dazu entschlossen, diese Seite wieder zu beleben. Und das ist viel komplizierter als ich am Anfang gedacht habe. Als ich die Seite ins Leben gerufen hatte, im Jahr 2015, hatten wir hier enorme Probleme. Alle Augen waren auf Israel gerichtet und daher war es auch kein Wunder, dass ich binnen kürzester Zeit pro Tag an die 3000 Besucher hatte, die sich für das Geschehen hier in Israel interessierten. Heute komme ich gerade mal auf knapp 200 Besucher am Tag. Ja, es ist vielleicht etwas langweilig geworden. Aber das ist ja eigentlich ein gutes Zeichen für uns hier. Sehnen wir uns nicht alle auf ein völlig normales Alltagsleben?

Zurzeit gibt es ehrlich gesagt auch nicht zu viele aufregende Meldungen, die Ihr nicht auch in anderen Medien zu lesen bekommt. Und denkt bitte auch daran, dass ich diese Seite nach meiner Arbeit betreibe. Ich habe also nicht mehr den „Luxus“, während meiner Arbeitszeit durch die Straßen Jerusalems zu spazieren. Ich habe einen neuen Volltagsjob, der nichts mit dieser Seite oder Nachrichten aus Israel zu tun hat. Daher bemühe ich mich in erster Linie darum, Euch jeden Morgen zum neuen Tag zu begrüßen und Euch mit meinem Gedanken zu belästigen. Gerne könnt Ihr hier unter dem Artikel Eure Meinungen und auch Wünsche äußern. Denn diese Seite soll eigentlich auch Eure Seite sein.

Ein weiteres Problem, warum es momentan noch nicht zu viele Meldungen gibt, liegt daran, dass ich keine Rechte für Fotos besitze. Damals hatte ich die Genehmigung von einem Anbieter bekommen, was meine tägliche Arbeit an dieser Seite viel einfacher machte. Heute ist dieser Anbieter Teil des israelischen Fernsehkanals Arutz 14, ich habe da keine Chance auf eine Zusammenarbeit mehr. Ein Vertrag mit einer Nachrichtenagentur ist leider keine billige Angelegenheit, alleine kann ich es mir nicht leisten, weswegen ich meistens Posts aus Twitter benutze, um aktuelle Bilder und Videos zeigen zu können.

Ich lade Euch noch einmal herzlich dazu ein, Euch an dieser Seite zu beteiligen. Schreibt mir, was Euch interessiert. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, vielleicht einmal ein Online Treffen zu machen, wo wir uns über das Leben und das Geschehen in Israel unterhalten können.

Ich sehe mich jetzt noch in einer Aufbauphase. Habt bitte noch etwas Geduld. Und jetzt muss ich schon wieder aussteigen. Mein neuer Arbeitstag beginnt.

Chanukka, dritte Kerze

Ich wünsche Euch einen tollen Mittwoch und ein frohes Chanukka. Shalom aus Israel!



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