Erinnerung an die Verstorbenen

Guten Morgen liebe Leser!

Heute arbeite ich von zu Hause aus. Dank meines flexiblen Arbeitsplatzes konnte ich für diese Woche den Dienstag mit dem Montag tauschen. Der Dienstag ist normalerweise mein „Home-Office-Tag“, diesmal ist es der Montag.

Der Grund dafür ist, dass wir heute an meine verstorbene Schwiegermutter gedenken, es ist der jährliche Gedenktag, an dem sich die Familie am Grab trifft, um dort zu beten und der verstorbenen Großmutter, Mutter, Schwester zu gedenken. Die Ehrung und das Gedenken an verstorbene Familienmitglieder ist im Judentum etwas sehr Wichtiges. Und diese Gedenktage, auf Hebräisch „Askara“, Erinnerung, werden mindestens so lange abgehalten, wie es direkte Familienangehörige gibt. Daher haben wir leider mit der Zeit immer mehr dieser Gedenktage. Für uns sind es sechs, vier Großeltern und die Eltern meiner Frau.

Auf dem Friedhof wird am Grab eine Erinnerungskerze angezünde. Bild: Shutterstock

Nach dem Besuch auf dem Friedhof waren wir früher in die Synagoge gegangen, wo es dann am Ende des normalen Gottesdienstes ein Gebet zur Erinnerung des Verstorbenen gab. Mit der Zeit haben wir das Gebet dann nach Hause verlegt, denn die direkten Familienangehörigen werden auch immer älter und nicht alle können noch an der Zeremonie teilhaben. Nach dem Gebet am Abend gibt es dann noch das Mahl zu Ehren des Verstorbenen, es gilt als Mitzvah, ein Gebot, daran teilzunehmen. Zu Hause wird dann eine Gedenkkerze angezündet, die 24 Stunden lang brennt.

Mich hat diese Tradition damals, als ich nach Israel kam, sehr beeindruckt. Ich selber gedenke meiner verstorbenen Eltern ganz persönlich, denn ich kann bedauerlicherweise nicht jedes Jahr zu ihrem Todestag nach Deutschland fliegen. Aber mein Gedenken und Erinnerung an sie ist dadurch nicht schwächer, ich habe auch heute noch eine sehr enge Beziehung zu meinen Eltern. Aber die Gedenkzeremonie ist wirklich etwas sehr Beeindruckendes. Und da diese Tradition bei uns bekannt ist, ist es auch kein Problem, dafür von der Arbeit freizubekommen. Und das ist der Grund, warum ich heute zu Hause geblieben bin.

Meine Schwiegermutter ist vor 13 Jahren von uns gegangen. Unsere Kinder hatten eine sehr starke Verbindung zu ihr. Ich bin mir sicher, sie wäre sehr stolz auf ihre Enkelkinder. Möge die Erinnerung an sie ein Segen sein.

Mit diesen Worten und der Erinnerung an meine Schwiegermutter verabschiede ich mich. Ab morgen können wir uns dann wieder über Politik und andere aktuelle Dinge unterhalten. Viel Neues gibt es momentan auch gar nicht. Ich wünsche Euch einen wunderschönen Montag. Shalom aus Modiin!



Kategorien:Der Blog

  1. Lieber Dov, durch Deine Worte des Erinnerns bin ich sehr berührt! Gestern war der 12. Jahrestag der Asskara für meinen Mann selig. Da er nicht hier in Nahariya, meinem Wohnort, sondern in Sha’ar Menashe begraben liegt, bin ich auf meine Freunde – eine liebe Familie aus Haifa angewiesen, daß wir zusammen zum Grab fahren. Deren Vater ist schon 93 Jahre und ist Holocaust-Überlebender. Am Grab gebe ich jeweils Zeugnis über den Glauben meines Mannes und mir. In den letzten beiden Jahren sprach ich am Grab über Vergebung und das letzte Mal über die Ewigkeit. Es ist jedesmal eine kostbare Zeit und danach lade ich ‘meine’ Familie zum Essen ein. – Auch ich kann meine Eltern im Schwarzwald nicht zu ihren Tagen der Heimberufung besuchen, so gedenke ich hier an sie und bin dankbar, daß ich ein so liebevolles Elternhaus hatte.

    Dir und den Deinen wünsche ich viel Segen und nun zu Chanukka auch viel Freude im Lichte Adonais!

    Betty

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