Gewalt auf den Straßen und andere Probleme

Guten Morgen liebe Leser!

Und wieder sitze ich im Zug auf dem Weg zu meiner Arbeit. Es ist Montag, der Zug ist deutlich leerer als gestern, was wohl auch daran liegt, dass ich heute eine halbe Stunde später losgefahren bin. Nach 8 Uhr ist der morgendliche „alle-fahren-zur-Arbeit – Stress“ vorbei. Vielleicht sollte ich immer einen Zug später fahren. Aber ich beginne die Arbeit immer gerne so früh wie möglich.

Heute sitzt meine Tochter auf dem Sitz gegenüber. Montag ist der einzige Tag, an dem wir zusammen nach Tel Aviv, Ramat Gan, fahren. Die Hochschule meiner Tochter ist gerade mal 600 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt. Wer hätte vor einigen Monaten gedacht, dass wir mal so nahe beinander sein werden.

Und über was wird bei uns im Land geredet? Der Mord auf den Zebrastreifen, von dem ich Euch vor einigen Tagen erzählt habe, ist immer noch in den Schlagzeilen, die Nachrichten im Fernsehen beginnen damit und nicht mit den Bemühungen Netanjahus, eine Regierungskoalition auf die Beine zu stellen.

Diese Geschichte hat das ganze Land betroffen gemacht. Denn sie zeigt, dass es jedem von uns passieren kann. Ich meine jetzt nicht den Terror, sondern die Gewalt auf den Straßen. Heute traut sich niemand mehr, zu hupen, oder jemanden auf einen Fehler hinzuweisen, denn man weiß nie, mit wem man es zu tun hat.

Der Mörder, Adi Mizrachi, im Gericht (rechts), links der Tatort.

Der Mörder des 50 Jahre alten Jiri, der seit 20 Jahren im Tel Aviver Ichelov Krankenhaus in der Notaufnahme gearbeitet hatte, hat nun endlich seine Tat gestanden, erklärte aber, dass er sich nicht darüber bewusst war, dass der Mann ums Leben gekommen sei. Kurz mach der Tat ging er mit seiner Frau noch einige Meter bis er zusammenbrach. Der Mörder war zu diesem Zeitpunkt schon längst über alle Berge.

Gestern wurde Juri beigesetzt. Für das Grab auf dem Friedhof von Holon wurde von der Öffentlichkeit um die Hunderttausend Shekel gespendet. Es ist enorm, wie hilfsbereit die Bevölkerung in Situationen wie diese ist.

Und wie haben noch immer keine neue Regierung. Die Berichte darüber interessieren uns irgendwie kaum noch. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die kleinen Parteien alles versuchen, um ihrer Forderungen durchzusetzen. So läuft das bei uns nun mal. Netanjahu hat noch zwei Wochen Zeit, seine Koalition vorzustellen. Dass es diese Regierung geben wird, daran zweifelt an sich niemand. Aber man macht es Netanjahu nicht leicht.

In einer anderen Geschichte in den Nachrichten geht es um einen Soldaten, der wegen eines Vorfalls mit linken Aktivisten in Hebron verhört wird. Er soll einen der Aktivisten geschlagen haben, wie es auch auf einem Video zu sehen ist. Das Problem bei diesen Videos ist leider, dass man die Geschichte davor und auch danach nicht kennt und den Soldaten nur nach den, was auf den Video zu sehen ist, verurteilt.

Natürlich ist es nicht in Ordnung, dass der Soldat den Aktivisten schlägt. Dennoch sollte man die Hintergründe kennen. Der Aktivist war schon vor diesem Vorfall in Gewahrsam genommen worden i d ist danach weggelaufen. Das Video wurde genau danach aufgenommen. Ich rechtfertige hier nicht die Gewalt, aber wenn man die Vorgeschichte kennt , kann man vielleicht die Situation etwas besser verstehen. Ausserdem wurde Berichten zufolge seitens der Aktivisten zugegeben, dass man die Situation bewusst provoziert hätte, um ein Video aufnehmen zu können.

Wir leben in einem komplizierten Land. Das wissen wir alle. Aber es ist unser einziges Land. Und nun muss ich gleich schon wieder aussteigen, der neue Arbeitstag beginnt.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Montag und einen guten Wochenbeginn. Shalom aus Israel!



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