Die Israelische Realität

Guten Morgen liebe Leser!

Als ich gestern mit meinem Sohn in unserem Garten war und auf die Straße schaute und sah, wie das normale Leben seinen Lauf nimmt, hier ein Paar mit ihrem Hund, dort ein Jogger, der sich für den nächsten Marathon vorbereiten zu scheint, zwei Kinder auf dem Weg nach Hause und ein Bus, der gerade an der Haltestelle hielt, sagte ich zu ihm:

„Irgendwie leben wir in einem verrückten Land, draußen sieht alles ganz normal aus, die Menschen gehen ihrem Alltag nach, gehen Einkaufen, spazieren im Park, und gleichzeitig hören wir in den Nachrichten von dem Terroranschlag in Jerusalem und die Lebensgeschichte des gerade mal 16 Jahre alten Jungen, der durch die Explosion des Sprengkörpers getötet worden war, das ist doch krass, oder?“

Was konnte mein Sohn schon dazu sagen, außer mit der Schulter zu zucken? Im Gegensatz zu mir kennt er leider gar keine andere Realität. Er ist praktisch mit dem Terror aufgewachsen. Er ist in dem Jahr geboren worden, als die zweite Intifada begann, 2001. Bis 2005 sind wir nie in die Stadt gegangen, nachdem wir mit der ganzen Familie an einem Tag im August 2001 in dem Pizzarestaurant Sbarro gesessen hatten, das dann etwa 24 Stunden später in die Luft gejagt wurde.

Der Terror, die Berichte im Fernsehen über einen weiteren Anschlag oder neue Raketenangriffe aus dem Gazastreifen, sind leider Teil unseres Alltags. Es gab eigentlich kaum ein Jahr, in dem überhaupt nichts passiert war. Es gab Jahre mit weniger Anschlägen und weniger Opfern, aber ein ganz normales Jahr gab es nie.

Einige Male hatte ich mich bei meinen Kindern entschuldigt, dass sie in dieser Realität aufwachsen müssen, schließlich war es meine Entscheidung, in Israel zu leben. Aber wenn ich in Deutschland geblieben wäre, wären meine wunderbaren Kinder ja gar nicht geboren worden.

Wie immer kehrt das Leben sehr schnell in die Alltagsroutine zurück. Es gibt den Anschlag, das Zählen der Opfer, dann ihre Geschichte und am Ende die Beerdigung. Danach geht das Leben weiter. Ja, so ist das hier bei uns.

Und dann gibt es eben auch noch die „normalen“ Probleme. Eines davon ist die Gewalt auf der Straße. Man sollte sich nie mit anderen Menschen anlegen. Das wurde uns gestern wieder klar, als ein Fußgänger von einem Motorradfahrer mit einem Messer erstochen wurde, weil er sich beschwert hatte, dass der Motorradfahrer vor ihm über den Zebrastreifen gerast war. Unglaublich.

Und nun sitze ich wieder im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Eigentlich hatte ich für meinen Artikel ganz andere Themen geplant. Ich wollte über ganz normale Dinge des Alltags schreiben. Wie zum Beispiel der leere Supermarkt während eines Fußballspiel in Katar. Tatsächlich war ich vor zwei Tagen fast ganz alleine im Supermarkt. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Und verloren hat die deutsche Mannschaft ja sowieso.

Jetzt hoffe ich, dass wir schnell eine neue Regierung bekommen werden, die sich dann mit den Problemen in unserem Land auseinandersetzen muss.

Ich wünsche Euch einen angenehmen Donnerstag, morgen beginnt das Wochenende. Shalom aus Israel!



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