Judentum, ein Volk oder nur eine Religion?

Guten Morgen liebe Leser!

Da wir heute schon wieder Freitag haben, erlaube ich mir, Euch etwas später als sonst zu schreiben. Ich befinde mich im sogenannten „Freitags-Mood“, es kann heute alles etwas langsamer gehen. Das heißt jetzt nicht, dass ich erst jetzt aufgestanden bin. Ganz im Gegenteil, ich war heute früh schon sehr aktiv und habe bereits eine Cellostunde hinter mir. Wer mich kennt, der wird vielleicht wissen, dass ich ein studierter Cellist bin, ich habe an der Jerusalemer Akademie für Musik und Tanz Musik mit Hauptfach Cello studiert. Dort habe ich dann auch meine Frau kennengelernt.

Auch wenn ich am Ende das Cello nicht in meinem Beruf benutzt habe, 22 jahre war ich am israelischen Fernsehen beschäftigt und danach sechs Jahre bei Israel Heute, hat es mich immer begleitet. Ich hatte eigentlich immer wenigstens einen Schüler, eine Zeit lang hatte ich sogar an der Musikschule meines damaligen Stadtteils Pisgat Zeev in Jerusalem unterrichtet und danach auch in ein paar Schulen für die Stadt Jerusalem. Hier ein Video aus meiner Zeit an der Musikschule in Jerusalem. Heute habe ich noch einen kleinen Schüler, dem ich versuche, mein Wissen weiterzugeben. So habe ich den heutigen Freitag mit einem netten Duett für ein großes und ein ganz kleines Cello begonnen. Kann man den Freitag schöner beginnen als mit Musik?

Das Wetter ist heute übrigens wieder wunderbar. Der Winter hat sich wieder versteckt und etwas Platz für den Sommer gemacht, der sich nach wie vor weigert, uns zu verlassen. Natürlich ist es am frühen Morgen und abends relativ kühl, aber am Tag erreichen die Temperaturen jetzt wieder angenehme 25 bis 27 Grad. Und das ist der Blick von unserem Garten, ich habe das Foto gerade eben gemacht:

Der Blick vom Garten, man kann wieder ohne Jacke nach draußen gehen. Bild: Dov Eilon

Auf meinem Weg zurück von der Cellostunde hörte ich ein interessantes Programm im Radio. Jeden Freitagmorgen sprechen zwei Menschen über die Ereignisse der Woche. Das Programm heißt Emily und der Professor, Emily steht für Emily Amrusi, eine Schriftstellerin, Journalistin und ehemalige Sprecherin für Judäa und Samaria. Der Professor ist Professor Yuval Elbashan. Die Gespräche zwischen den beiden, Emily als Vertreterin des rechten Blocks und der Professor als Vertreter der Linken, er selbst bezeichnet sich als „linker Zionist“, sind immer interessant.

Als ich heute auf meiner Fahrt nach Hause in das Programm reinhörte, ging es um Israel als Staat der Juden. Emily sagte gerade, dass sie ihren Kindern, besonders ihren Söhnen dazu raten wird, nur eine Jüdin zu heiraten. Das klingt jetzt enorm rassistisch, oder? Aber Ihr müsst verstehen, was die Folgen sind, wenn ein Jude eine Nicht-Jüdin heiratet. Ihre Kinder werden keine Juden sein, denn nach dem jüdischen Gesetz wird das Judentum nur über die Mutter weitergegeben. Das sei auch der Grund, warum es sie weniger stören würde, wenn ihre Tochter einen Nicht-Juden heiraten würde. Denn die Kinder aus dieser Ehe würden ja wegen der jüdischen Mutter auch Juden sein. Ich verstehe, dass sich das Ganze hier für viele von Euch eigenartig und nicht korrekt anhören mag. Aber wenn wir Israel weiter als einen jüdischen Staat haben möchten, wenn wir unsere jüdische Identität behalten wollen, dann geht es nicht anders. Der Professor sagte, wie erwartet, dass es ihm egal sei, ob seine Kinder einen Juden oder einen Nicht-Juden heiraten würden.

Und genau hier kommen wir wieder zu der Frage, ob das Judentum nur eine Religion oder auch eine Volkszugehörigkeit ist, eine Nationalität. Früher wurde in unseren Personalausweisen erwähnt, ob man Jude, Araber oder etwas anderes ist. Dies stand unter der Rubrik „Nationalität“, auf Hebräisch „Leom“. Aber ja, wir sehen das Judentum auch als Volkszugehörigkeit und nicht nur einen religiösen Glauben.

Aus einem Programm von „Emily und der Professor“. „Ist der Zionismus Rassismus?“ wird hier gefragt.

Die Frage „wer ist ein Jude?“ begleitet uns seit Gründung des Staates Israel. Und jetzt, nach den Wahlen, ist dieses Thema natürlich wieder besonders aktuell. So fordert der religiöse Zionismus eine Änderung des sogenannten Rückkehrrechts. Momentan reicht es aus, eine jüdische Großmutter oder sogar Großvater zu haben, um nach Israel einwandern zu können. Daher sind viele der Neueinwanderer eben keine Juden und müssen konvertieren, wenn sie als Jude anerkannt werden wollen.

Diese Problematik ist für Euch sicher schwer nachvollziehbar. Aber wozu brauchen wir einen jüdischen Staat, wenn es uns selbst egal sein soll, ob unsere Kinder als Juden geboren werden oder nicht? Was denkt Ihr über dieses Thema? Gerne lese ich Eure Meinungen dazu.

So, jetzt ist es an der Zeit, sich auf das Wochenende und den Shabbat vorzubereiten. Einkaufen brauche ich dieses Mal zum Glück nicht, ich bemühe mich auch, weniger zu kaufen, denn alles wird immer teurer. Ich bin gespannt, ob wir in der kommenden Woche eine neue Regierung haben werden, denn einfach wird es Netanjahu nicht gemacht. Aber darüber sprechen wir dann am Sonntag. Ich wünsche Euch ein wunderbares Wochenende und einen gesegneten Shabbat. Nutzt das Wochenende für Eure Familie. Shabbat Shalom aus Modiin!



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