Ein trauriger Tag

Guten Morgen liebe Leser!

Eigentlich hätte der Tag gestern ein feierlicher Tag gewesen sein sollen, wäre da nicht dieser fürchterliche Terroranschlag eines einzelnen Terroristen gewesen.

Gestern wollten wir uns doch nur mit der Vereidigung der Knesset beschäftigen, ein festlicher Moment auch für die Knessetabgeordneten, die nicht zum Block der Wahlsieger gehören.

Der Tag gestern begann auch dementsprechend. Es war ein Tag der Erwartung. Wir haben diesen Moment zwar viel zu oft in den vergangenen dreieinhalb Jahren erlebt, aber trotz allem ist es immer wieder ein besonderer Moment, wenn die neuen und alten Abgeordneten die Knesset zu diesem feierlichen Anlass betreten.

Aber es sollte alles ganz anders kommen. Gegen 10 Uhr kamen die ersten Meldungen über eine Messerattacke in Ariel. Das Morgenprogramm im Radio wurde aber zuerst noch ganz normal fortgesetzt. Doch einige Minuten später war klar, dass es sich diesmal um einen besonders schweren Terroranschlag handelt. Und einen besonders langen. 20 Minuten konnte der 18-jährige Terrorist aus einem benachbarten Dorf bei Ariel seinen Amoklauf fortsetzen, ohne gestoppt zu werden. Unterwegs schaffte er es sogar, zwei Autos zu klauen und zu Schrott zu fahren, dazwischen fuhr er noch auf einen 50 Jahre alten Vater von 6 Kindern. Er hatte keine Chance. Als das zweite Auto dann auch kaputt war und der Terrorist aus dem Auto steigen musste, konnte er endlich gestoppt und, wie man es bei uns sagt, „neutralisiert“ werden.

Heute früh sind die Titelseiten der Zeitungen gefüllt mit den Bildern der Tragödie von gestern. Man fragt sich, wie es dazu kommen konnte, dass der Terrorist ewig lange 20 Minuten sein Unwesen treiben konnte, ohne aufgehalten zu werden. Den Berichten zufolge soll der Wachmann am Eingang zum Industriegebiet, wo jeden Tag Tausende von palästinensischen Arabern zusammen mit Israelis arbeiten, nur in die Luft geschossen haben, da er befürchtete, unschuldige Menschen zu verletzen.

Heute wurde von Sicherheitsexperten gesagt, dass man den Vorfall schon zu Beginn hätte stoppen müssen. Es wurde kritisiert, dass es sich bei den Wachmännern dort nicht um erfahrene Wachmänner des Verteidigungsministerium handelt, sondern um Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma, die vielleicht gerade mal einen einmonatigen Kurs hinter sich haben. Jetzt wird sich doch bestimmt einiges ändern. Schade, dass man immer erst dann etwas ändert, wenn etwas passiert.

Auch in Bezug auf den Anschlag am Kontrollpunkt bei Shoafat, wo die 19-jährige Noa Lazar aus unmittelbarer Nähe von einem Terroristen erschossen wurde, gab es jetzt Konsequenzen. Drei Offiziere wurden ihres Amtes enthoben. Sie hätten nicht korrekt auf die Attacke reagiert. Anstatt sofort auf den Terroristen zu schießen, waren viele der dort anwesenden Soldaten instinktiv erst einmal weggelaufen, um sich in Sicherheit zu bringen. Ein weitere Fehler war wohl auch die Tatsache, dass an dem Kontrollpunkt sehr viele junge Soldatinnen beschäftigt werden, die gerade erst ihren Armeedienst begonnen haben. Da wird sich jetzt vieles ändern.

Heute werden wir im Radio und Fernsehen die Geschichten der Opfer des gestrigen Anschlags hören. Insgesamt 11 Kinder haben gestern ihren Vater verloren.

Und dann werden wir mit unserem Alltag weitermachen. Der Schwerpunkt der Berichterstattung wird sich wieder auf die Regierungsbildung konzentrieren. Aber darüber werde ich ein anders Mal schreiben. Es wird sicherlich noch etwas dauern, bis es Netanjahu gelingen wird, seine Regierung vorzustellen.

Ich sitze jetzt natürlich wieder im Zug. Nachdem es in der Nacht nicht wenig geregnet hatte, bin ich mit meiner Regenjacke aus dem Haus gegangen. Jetzt scheint wieder die Sonne und ich kann sehen, wo ich diese Jacke jetzt unterbringe. So ist es nun mal, wenn der Winter noch zögert und der Sommer sich weigert, zu gehen. Sogar die Mandelbäume haben schon angefangen, zu blühen.

Vor ein paar Tagen war ich derart im Schreiben meines Morgenartikels vertieft, dass ich meine Station verpasst hatte. Das war nicht so schlimm, ich hatte sofort einen Zug in die andere Richtung, sodass ich gerade mal 5 Minuten verloren hatte, aber es war überflüssig.

Damit ich heute rechtzeitig aus dem Zug steige, wünsche ich Euch jetzt einen angenehmen Mittwoch, hoffen wir, dass es ein ruhiger Tag werden wird, ein ganz normaler Tag. Shalom aus Israel!



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