Am guten Dienstag wird vieles teurer

Guten Morgen liebe Leser!

Ich begrüße Euch zum heutigen Dienstag, der bei uns als ein besonders guter Tag gilt. Bei uns wird der Dienstag, der dritte Tag der Woche, oft folgendermaßen beschrieben: „Jom Shlishi, pamaaim ki tov“ – Dienstag, weil er zweimal so gut ist. Und warum ist er das? Dafür brauchen wir nur in die Bibel zu schauen, im ersten Buch Mose, im Buch „Bereshit“, wie es in der Thora heißt. Wenn Ihr die Schöpfungsgeschichte lest, dann müsste Euch auffallen, dass nach dem zweiten Tag, dem Montag, nicht der Satz geschrieben steht „und Gott sah, dass es gut war“, doch am dritten Tag, dem Dienstag, kann man das gleich zweimal lesen. Denn an diesem Tag beendete Gott gleich zwei Werke. Er schaffte den Himmel und die Erde und auch die Welt der Pflanzen und Bäume, auch danach steht geschrieben, dass Gott sah, dass es gut war. Nur am Dienstag steht dieser Satz zweimal. Daher wird dieser Tag als doppelt so gut angesehen, „zweimal so gut“, auf Hebräisch „paamim ki tov“.

Ich hoffe, Ihr könnt meine Erklärung einigermaßen verstehen. Die orthodoxen Juden halten sich daran und planen viele ihrer Ausflüge mit der Familie an einem Dienstag, denn der freie Tag am Shabbat kommt dafür nicht infrage. Solltet Ihr einmal in Israel sein und an einem Dienstag in den Zoo oder einen beliebten Park gehen, wird Euch sofort die große Zahl von jüdisch orthodoxen Familien auffallen, die eben den Dienstag für ihren Familienausflug gewählt haben. Warum auch nicht, denn der zweite Tag der Schöpfungsgeschichte war ja tatsächlich ein besonders gelungener Tag. Himmel und Erde und die Bäume an einem Tag, in der Tat eine beachtliche Leistung.

Der Dienstag ist genau der richtige Tag, um eine Bar Mitzva an der Klagemauer in Jerusalem zu feiern. Dienstags ist es dort besonders voll. Bild: Pixabay

Auch für mich ist der Dienstag ein besonderer Tag, denn das ist der Tag, an dem ich morgens nicht aus dem Haus und zum Bahnhof fahren muss. Am Dienstag habe ich von meinem neuen Arbeitsplatz die Möglichkeit bekommen, von zu Hause aus zu arbeiten. Das heißt, wir hatten die Wahl zwischen einigen Tagen, entweder Sonntag, Dienstag oder Mittwoch. Für mich war klar, dass ich den Dienstag wählen würde. Nicht nur, weil er als ein besonders guter Tag gilt, sondern auch, weil er genau in der Mitte der Woche liegt. So habe ich die Woche in zwei Teile geteilt und gehe dann am Mittwoch wieder etwas frischer zur Arbeit. Und dann hat man auch fast schon wieder Wochenende. Der Dienstag zu Hause ist einfach perfekt.

Das heißt jetzt nicht, dass ich weniger arbeite, meistens ist genau das Gegenteil der Fall. Der Laptop steht den ganzen Tag offen auf dem Tisch und wenn ich dann noch irgendeine Idee habe, setzte ich mich auch abends noch einmal hin und erledige etwas. Ich bin ein absoluter Befürworter der Arbeit von zu Hause aus. Aber nicht jeden Tag. Es ist auch wichtig, mit den Kollegen zusammen im Büro zu sein. Nach zwei Coronajahren, in denen ich fast ausschließlich zu Hause gesessen habe, weiß ich, wovon ich rede.

Aber wir haben aus dieser Zeit gelernt. Viele Arbeitgeber geben ihren Mitarbeiter heute die Möglichkeit, zwei bis drei Tage in der Woche von zu Hause aus zu arbeiten, es sei denn, es gibt etwas Wichtiges, dann trifft man sich eben im Büro. Aber es ist wirklich nicht immer nötig, im Büro zu sitzen.

Nochmal zum Dienstag. In den Morgennachrichten wurde berichtet, dass viele Milchprodukte heute, ausgerechnet heute, am Dienstag, deutlich teurer werden sollen. Als ob das Leben hier bei uns nicht schon teuer genug sind. Einige Supermarktketten versuchen, die Preiserhöhungen zu bekämpfen und weigern sich, zu kooperieren. Als Folge weigern sich die Konzerne dann, die Waren auszuliefern. Jetzt haben wir an einigen Supermarktregalen Zettel hängen, auf denen erklärt wird, warum es ein gewisses Produkt zurzeit nicht gibt. Ich glaube, dass das auch bei Euch passiert. Doch am Ende haben die Konzerne die Oberhand. Der Cottage Käse, der im Jahr 2011 Auslöser der Massendemonstrationen gegen die hohen Lebenskosten war, soll übrigens nicht teurer werden, was für ein Witz.

Der Milchkühlschrank in unserem Supermarkt. Es gibt alles und im Überfluss. Doch leider wird es immer teurer, die Gehälter steigen allerdings nicht. Bild: Dov Eilon

Aber vielleicht ist dieser Dienstag trotz allem ein guter Tag. Heute um 16 Uhr Ortszeit wird in der Knesset das neugewählte Parlament vereidigt werden. Für 25 Abgeordnete ist es ihr erster Tag in der Knesset. Eine Regierung wird es heute allerdings noch nicht geben. So leicht wird es Netanjahu eben auch nicht gemacht.

So, jetzt muss ich mich langsam an die Arbeit machen. Später werde ich wieder für Euch da sein und einen Link zur Vereidigung der Knesset posten. Und morgen früh melde ich mich dann wieder aus dem Zug. Jetzt wünsche ich Euch einen wunderbaren und doppelt so guten Dienstag. Shalom aus Modiin!



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