Shabbat Shalom aus Jerusalem

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Hallo liebe Leser,

Chanukka liegt bereits hinter uns , Weihnachten geht heute zuende und bald beenden wir auch das Jahr 2014. Einfach war dieses Jahr nicht . Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen eine Zusammenfassung des Jahres zu veröffentlichen.

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Das brennende Auto nach dem Anschlag gestern Abend ( Foto: Portal Ynet)

Hier in Israel sind die letzen Tagen von einer immer stärker werdenden Spannung geprägt. Es begann mit dem Raketenbeschuss von vor ein paar Tagen, dann verletzten palästinensische Scharfschützen einen israelischen Soldaten schwer und gestern wurde ein Molotov Cocktail auf ein israelisches Auto geworfen , wobei die 11 jährige Ayala Shapira sehr schwer verletzt wurde und noch immer um ihr Leben kämpft. Heute früh wurde gemeldet, dass sich ihr Zustand leicht verbessert hätte. Ihr Vater wurde bei dem Anschlag leicht verletzt. Wegen der gespannten Lage sind gestern wieder zwei Raketenabwehrsysteme „Iron Dome“ nahe der Städte Netivot und Beer Sheva aufgestellt worden. Die Bevölkerung im Süden nahe der Grenze zum Gazastreifen kommt nicht zur Ruhe .

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Die 11 jährige Ayala Shapira (Foto: Portal Ynet)

Heute Früh wurde gemeldet, dass in der Altstadt von Jerusalem zwei Polizisten von Palästinensern niedergestochen wurden, zum Glück sind sie dabei nur leicht verletzt worden.
Ich kann nur hoffen, dass sich die Lage nicht noch weiter eskaliert. Aber leider bin ich nicht sehr optimistisch.

Soviel zu den Nachrichten. Ich sitze wieder im Bus auf dem Weg zur Arbeit in Jerusalem . Das Wetter ist sehr schön, die Somme strahlt und es soll bis zu 21 Grad werden , bei uns in Modiin, in Jerusalem sollen um die 16 Grad erreicht werden . Diese Temperaturunterschiede auf so eine kleinen Entfernung faszinieren mich auch noch nach 26 Jahren hier in Israel.

Ich denke gerade, ich schreibe euch hier diese schlechten Nachrichten von Anschlägen,Gewalt, Terror und Raketen und ich sitze dabei ganz friedlich im Bus zusammen mit allen anderen . Trotz allem leben wir hier unser ganz normales Alltagsleben. So war es auch zur Zeit der zweiten Intifada in den Jahren 2001-2005. Fast jeden Tag explodierte damals irgendwo im Land eine Bombe Oder ein Terrorist jagte sich in einer Menschenmenge in die Luft und riss die um ihn stehenden mit in den Tod. Und ich lebte meinen Alltag mit meiner Familie . Wir haben alle diese schrecklichen Anschläge auch nur über das Fernsehen mitbekommen, auch wenn einige Vorfälle nur wenige Kilometer von uns entfernt geschahen .

Ich habe es nie bereut , nach Israel gegangen zu sein. Und wenn ich heute sehe, was in Europa passiert bin ich sogar froh , hier in Israel zu leben. Gestern gab es bei uns im Fernsehen einen Bericht über die Lage in Europa, unter anderem ging es um Europäer , die sich in Syrien den Terroristen des Islamischen Staats anschließen. Dann würde von den letzten Anschlagen in Frankreich berichtet . Es wurde auf eine Synagoge geschossen und in zwei anderen Fällen, sind Passanten von Autos überfahren worden und der Täter schrie „Allah Akbar“. So etwas kannte man bis heute in Europa nicht. Dann wurden die Demonstrationen in Deutschland gegen die Islamisierung gezeigt. Also, einfach ist es nicht in Europa.

Und was mich besonders traurig stimmt sind die Kommentare, die ich in letzter Zeit im Facebook lese zu Meldungen über Israel. Da ist soviel Hass gegenüber den Juden zu sehen, schrecklich. Gestern las ich Sätze wie „natürlich , der Jud“ , “ Ich hasse dieses Volk im „j“ „oder “ dieses Zionistenpack“ und noch viel mehr. Und das passiert leider in Deutschland. Ich habe früher Deutschland immer verteidigt, habe immer gesagt, es gibt ein neues , ein anderes Deutschland ohne Antisemitismus. Das lag wohl daran, dass ich in meiner Heimatstadt Oldenburg nie etwas negatives erlebt habe. Heute muss ich leider sehen, dass es sehr viel Judenhass gibt in Deutschland. Im Netzt erlauben sich die Leute , frei zu schreiben, was sie denken , im Schutz der Anonymität des Internets ist es halt leichter. Eigenartig ist nur. Warum zum Beispiel ein Portal wie das von Focus.de solche Kommentare unter den Posts duldet. Ich habe denen eine Mail geschrieben , aber bis jetzt keine Antwort dazu bekommen.focus hassBeispiel einiger Kommentare

So, liebe Leser , jetzt habe ich mich etwas in dieses Thema hineingesteigert, aber das sind meine Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Jetzt bin ich in Jerusalem angekommen. Es ist Freitag, heute Abend zünden wir die Shabbat Kerzen an .ich wünsche euch ein angenehmes Wochenende und meinen jüdischen Freunden einen gesegneten Shabbat.

Shabbat Shalom aus Jerusalem !

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Kategorien:Aktuelles, Allgemein, Der Blog

8 replies

  1. Können wir (außer unserem Gedenken und unseren Gebeten) irgendetwas für Ayala Shapira tun? Ich weiß, dass besonders Kinder unter derartigen Verbrechen leiden.

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    • Letzen Meldungen zufolge hat sich ihr Zustand leicht verbessert. Sie gilt aber nach wie vor als schwer verletzt und wird künstlich beatmet. Ihr Körper ist zu 50% verbrannt. Sie wird einen langen weg der Rehabilitierung vor sich haben. Ich werde eich weiterhin auf dem laufenden halten. Shabbat Shalom.

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  2. Sollte es irgendwann (nach der körperlichen Genesung) den Eltern als sinnvoll erscheinen (z.B. im Rahmen einer Verarbeitung des Erlebten), wäre ich bereit für sie einen Ferienaufenthalt in Deutschland zu organisieren. Wir sind zwar Christen und Deutsche, aber ich würde hoffen, dass das kein Hinderungsgrund wäre. Ich weiß (aus meiner Arbeit im Kinder-Hospiz-Wesen), wie schwierig es für ein Kind ist, solches zu verarbeiten; vielleicht würde ein solches Angebote wenigstens etwas helfen.

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    • Eine tolle Idee . Ich werde mal versuchen , Kontakt zu knüpfen , also für später, ich bin beeindruckt . Vielen Dank ! Vielleicht beginnt gerade etwas ganz besonderes mit ihrem ( deinem ) Angebot.

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  3. Bei so einer Aktion wäre ich auch dabei 🙂

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  4. Eben diesen Blog entdeckt, schon schlimm was mal wieder so über die Feiertage passiert ist.

    bzgl den Facebook Kommentare…

    Diese kann man dem Staatsschutz / Polizei melden. Sie gehen so was in der Regel nach.

    Schöne Grüße an meiner Geburtsstätte, Jerusalem 🙂 aus NRW

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Trackbacks

  1. Durch Brandbombe verletzte Ayala Shapira trifft Nobelpreisträger | Israel Direkt

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