Guten Morgen aus Israel

Hallo liebe Leser,

Wir sind in der Woche von Sukkot, dem Laubhüttenfest. Ich habe mir erlaubt , in dieser Woche Urlaub zu nehmen . So bin ich also Zuhause in Modiin geblieben , ab Freitag werde ich dann wieder aus dem Bus nach Jerusalem berichten. Gestern bin ich mit meinen Kindern , meinem Schwager und seinen zwei Kindern zu einem Freizeitpark in der Stadt Rishon LeZion gefahren. Der Park heißt „Superland“ und er ist einer von zwei Freizeitparks, die es hier in Israel gibt . Beide gehören übrigens dem selben Betreiber , also auch hier, wie in der Lebensmittelbranche , kein Wettbewerb.

IMG_8116-0.JPGFoto: „Superland“ in Rishon LeZion

Ich möchte euch weniger über den Park selbst erzählen, sondern über die Menschen, die den Park besuchen. Und das wird vielleicht einige Leser im Ausland überraschen. Oft wird Israel als ein rassistisches Land bezeichnet, ein Apartheit Staat, der nur der jüdischen Bevölkerung alle Rechte gewährt und die arabischen Mitbürger des Landes unterdrücke.

IMG_8124.JPGFoto: Besucher aus allen Bevölkerungsgruppen haben Spaß im Vergnügungspark

Im Park könnte man gestern Besucher aus allen Gruppen der israelischen Bevölkerung antreffen. Und alle hatten ihren Spaß. Gebürtige Israelis , Neueinwanderer , Israelis russischer Abstammung und arabische Mitbürger , Christen wie Muslems, alle waren gestern im Park und saßen zusammen in den Fahrgeschäften oder auf der Wiese beim Picknick . Auch Frauen mit der in einigen europäischen Ländern umstrittenen Burka waren da mit ihren Kindern . An einer anderen Ecke sah man einen Moslem beim Gebet, neben ihm eine jüdische Familie mit Kindern . Und alle hatten an diesem Tag ihren Spaß. Ich bin mir nicht sicher , ob das in Frankreich oder sogar in der Schweiz, wo das Tragen der Burka verboten ist, möglich gewesen wäre. Hier hat sich kein Mensch etwas daraus gemacht .

IMG_8150.JPGFoto: „Superland“

Überhaupt glaube ich, dass viele Menschen im Ausland durch die meiner Meinung sehr einseitigen Berichterstattung sehr viele falsche Vorurteile haben über Israel und die israelische Gesellschaft. Viele glauben, dass hier in Israel gar kein Zusammenleben stattfindet oder möglich ist. Aber es findet statt, auch in meiner Umgebung . Wir haben arabische Ärzte in den Krankenkassen und in den Krankenhäusern , der Chef des Krankenhauses in Naharia im Norden des Landes ist ein Araber. Es gibt arabische Richter am obersten Gericht Israels . Es war übrigens ein arabischer Richter , der den ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Moshe Kazav wegen sexueller Straftaten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt hat. Es gibt arabische Polizisten und in der israelischen Armee gibt es hochrangige und angesehene Offiziere drusischer Herkunft und auch unter den Beduinen gibt es viele Offiziere in der Armee . Beide , drüben und Beduinen , dienen freiwillig in der israelischen Armee . Auch einige Araber leisten ihren Dienst ab , allerdings noch nicht in einem großen Maß . Das Thema ist natürlich noch etwas empfindlich und vielleicht einen besonderen Post wert.
Auch am israelischen Rundfunk habe ich arabische Kollegen.

Jetzt mag so der eine oder andere sagen, ich male hier alles so rosig . Natürlich ist nicht alles perfekt, natürlich gibt es noch viel zu tun. Und natürlich haben es arabische Mitbürger in einigen Situationen immer noch schwerer , es reicht wenn ein Araber im Bus sitzt und eine Kontrolle stattfindet . Dann ist es leider keine Seltenheit , wenn der Araber kontrolliert wird , nach seinem Ausweis gefragt wird. Denn leider leben wir in einem Land , dass viele grausame Terroranschläge erlebt hat, besonders in Bussen, Restaurants und Einkaufszentren . Diese Anschläge wurden von Arabern durchgeführt. Natürlich ist es unangenehm, wenn der normale arabische Mitbürger ausgefragt wird und ich als Jude sitze daneben und werde kaum beachtet . Aber ich denke, dass jedes Land so handeln würde , wenn es so wie wir hier, diese Terroranschläge erlebt hätte.

Keinem hat es gestern gestört, dass muslimische und christliche Araber und Juden gestern gemeinsam im Vergnügungspark waren. Und so soll es auch sein. Keiner hat sich was dabei gedacht, als die Frau in der Burka an einem vorbeilief mit ihren Kindern . Ich hoffe sehr ,dass wir hier bald in Frieden mit allen unseren Nachbarn leben können. Denn ich sehe , dass es möglich ist.

Liebe Grüße ,

Shalom aus Israel !



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